Illusions about the man behind the mirror.

out of the mirror

a narration by stephan chamier

Cinematographer – Frederic Klamt

Starring – Selina Lukesch

& Tillman Becker

18 min – high-def


B R U T
AUSSTELLUNG

IN HANNOVER

19.08.2017 | 25.08.2017 | 26.08.2017 | 02.09.2017

LOGOS DES SPIEGELS
VORWORT DES HERAUSGEBERS

Ganz von selbst ergab es sich, daß in Vorgesprächen

die Rede auf das zentrale Motiv des Spiegels kam, hatte doch

Leibniz die individuelle Substanz, die Monade, einen »lebendigen

Spiegel« (miroir vivant) genannt und ihr Wesen als Widerspiegelung

der ganzen Welt bestimmt.

MIRROR MOMENTS IN FILM
Quelle: Telegraph.co.ok by Anne Billson
DUCK SOUP (1933)

The mirror gets smashed right at the beginning of this brilliant Marx brothers sequence in which Harpo pretends to be Groucho's reflection. Split-second timing, reversed expectations and surreal visual gags add up to a comedy classic that has no need of dialogue or music.

Leibniz: It y a rien de plus approchant de ta pensee parmy tes choses

visibles, que t'image, qui est dans un miroir.

Leibniz: Nichts unter den sichtbaren Dingen ist dem Denken so ähnlich wie das Bild in einem Spiegel.

DAS SEHEN DES SPIEGELS
Während für das erste gelte, daß »ein

Körper für den anderen (also auch das Gefäß für den Inhalt und vice

versa) völlig undurchdringlich ist«, gelte für das zweite: »Dortselbst,

wo die Körperteilchen sich befinden, dortselbst befinden sich auch die

Raumteilchen; so daß, wenn wir sagen dürfen, der Körper sei >im< Raume,

wir auch umgekehrt sagen dürfen, der Raum sei in dem Körper.«

SNOW WHITE AND THE SEVEN DWARFS (1937)

"Magic mirror on the wall, Who is the fairest one of all?" No list of movie mirrors would be complete without the mother of all fairytale looking-glasses - the ego-boosting device that goes horribly wrong when it reveals to the Evil Queen that she is no longer the prettiest person in the land. Magic mirrors can be seen in Snow White: A Tale of Terror (1997), Mirror Mirror (2012) and Snow White and the Huntsman (2012). But of course the best and creepiest is the one in Disney's 1937 animated film.
Zum Beispiel das totum essentiale[* essentielle

Ganze] dient der Scholastik»[ ... ) corpus vivens constans ex anima

et corpore. Item quodvis corpus naturale ex materia et forma constitutum

- [* ein lebendiger Körper besteht aus Seele und Körper. Genauso

ist jeder natürliche Körper aus Materie und Form konstituiert]«. Dieser

sei das Ganze, das aus den seine Wesenheit (essentia) konstituierenden

Teilen bestehe, und zwar »ita constituentibus, ut se invicem penetrent

-[*so konstituiert, daß sie sich gegenseitig durchdringen].13

Nur in Anbetracht dessen, daß die Teilchen von Körper und

Jungius definiert weiter 14: »Inhaerens est quod inhaeret aut aptum

est inhaerere alteri Enti, sive quod ita inexistit alteri enti, ut id

ipsum penetret sive penitus cum ipso simu 15 sit. [* Inhärierendes ist,

was einem anderen Seienden innewohnt oder fähig ist innezuwohnen,

oder das einem anderen Seienden so in-existiert, daß es dieses selbst

durchdringt oder mit diesem selbst völlig gleichzeitig ist.]« 15 Das durchdringende

Insein ist demzufolge als ein gleichzeitiges Einwohnen, das

fragliche Verhältnis als ein gleichzeitiges einander-Einwohnen von Körper

und Raum zu begreifen. Und wenn wir fortan sagen, das Sehen-als

sei ein Denken, worin das Sehen, und umgekehrt, das etwas-Sehen sei

ein Sehen, worin das Denken enthalten ist, so sagen wir eben dieses:

daß Denken und etwas-Sehen bzw. etwas-Sehen und Denken einander

gleichzeitig einwohnen. Das Sehen-als und das etwas-Sehen erfüllen

die Definition des totum essentiale; ihre Teile, ob Denken und Sehen

oder Sehen und Denken, sind keine anderen als einander gleichzeitig

einwohnende.

DEAD OF NIGHT (1945)

"When I was dressing this evening, just as I was tying my tie, I suddenly realised that the reflection was all wrong." Robert Hamer's short film about a haunted mirror is one of the highlights of Ealing's deliciously scary portmanteau horror film in which guests at a house party relate their uncanny experiences to the assembled company. Googie Withers tells us how she bought an antique mirror for her fiancé, only for him to see reflections of the past, not the present. I've often wondered how that marriage worked out.
Auf die Frage, wann wir einen Spiegel als Spiegel sähen, antwortet

Josef König17: Wir sähen ihn, nämlich einen Spiegel als solchen, »dann, wenn wir Anderes in ihm sehen.« Man ist versucht, die beiden Teilsätze

als einander äquivalent zu lesen, jeder eine notwendige und hinreichende

Bedingung für den anderen. [Dem ist nicht hinreichend so]

THE LADY FROM SHANGHAI (1947)

"With these mirrors it's difficult to tell. You are aiming at me, aren't you? I'm aiming at you, lover." Orson Welles and Rita Hayworth were already on the verge of divorce when he made her cut and bleach her trademark red hair to play the femme fatale in this convoluted film noir in which Orson himself plays an itinerant sailor with an absurd Irish accent. It's a familiar tale with Welles – studio interference leading to a film deemed by some to be less than the sum of its parts. But what parts! Chief among them is the demented final showdown set in a funfair hall of mirrors.
Ernst Mach erzählt, als er einmal

müde einen Omnibus bestiegen, habe er gedacht, was träte denn da

»für ein herabgekommener Schulmeister« hinzu. »Ich war es selbst,

denn mir gegenüber befand sich ein großer Spiegel.«" Machs Blick in

den Spiegel durchläuft zwei Phasen: in der zweiten erst weiß er, daß er

selber sich spiegelt; in der ersten, da ihm dieses Wissen noch mangelt,

sieht er zwar »Anderes« im Spiegel, denn er sieht. wenn auch irrtümlich,

einen anderen Menschen, gleichwohl sieht er den Spiegel nicht als

solchen. Um eine Äquivalenz zu erhalten, hätten wir zu formulieren:

Wir sehen einen Spiegel dann und nur dann als Spiegel, wenn wir wissen,

daß wir Anderes in ihm sehen.

Wer einem Spiegel offenen Auges gegenübersteht, weiß im allgemeinen, daß er hineinschaut, weil er weiß, daß er herausschaut.
daß er einen antiken chinesischen Spiegel sieht. Würde ich ihm Nähe-

res über die Scheibe sagen, er wüßte von mir, daß er einen Gegenstand

sieht, dessen polierte Vorderseite anderen Kulturen in anderen Zeiten

zu einem Spiegel getaugt hat. Betritt aber ein Gast meine Wohnung

und geht, seiner Blickrichtung folgend, auf den sichtbaren, doch unansehnlichen

Flurspiegel zu, so weiß er unmittelbar, daß er in einen

Spiegel schaut; die Belehrung erteilt ihm sein eigener Blick, in welchem

er in gewisser Weise sich selber begegnet. Er wüßte auch, daß er in

einen Spiegel schaut, wenn er anderem als sich selber darin begegnete,

nämlich Dingen und Personen, die seinem unreflektierten Blick

verborgen blieben, weil sie sich etwa hinter ihm oder seitwärts von ihm

befänden. In solchen Fällen wird jemand zwar durch seinen eigenen

Blick, indes nur mittelbar belehrt, in einen Spiegel zu schauen. Es gibt

außerdem, wie das Erlebnis von Ernst Mach eindrücklich macht, einen

vierten, sozusagen selbstvergessenen Augenblick vor dem Spiegel: Man

weiß dann nicht, daß man in ihn hineinschaut.

Zur Reflexion
ORPHÉE (1950)

Using an array of rudimentary but startling practical effects, such as footage of a hand dipping into a vat of mercury, Jean Cocteau inserted mirrors into The Blood of a Poet (1930), La Belle et la Bête (1946) and this update of the Orpheus myth. Jean Marais puts on special rubber gloves and passes through the looking-glass into the underworld in search of his dead wife. And all the while, he flirts with his own Death, played by María Casares dressed in Dior-esque New Look. "Mirrors are the doors by which Death comes and goes. Look in the mirror every day and you will see it."
BUTTERFIELD 8 (1960)

Elzabeth Taylor gives an Oscar-winning masterclass in hangover management at the start of this delightfully trashy adaption of John O'Hara's novel about call-girl Gloria Wandrous, who makes the mistake of falling for a married heel (Lawrence Harvey) who humiliates her in cocktail lounges. Lessons include how to wear a sheet, brushing your teeth with bourbon and how to scrawl furious messages on mirrors with lipstick. For more mirror writing, see Dario Argento's Deep Red, in which a murder victim manages to write a vital clue on a steamed up mirror before expiring.
Was aber ist

es, das mich ansieht? Ist das spekulare Auge mein eigenes, ist das

Spiegel-Ich mein Ich? Ist denn da überhaupt etwas, oder scheint da nur etwas zu sein? Ist vielleicht um eine spätere Frage vorwegzunehmen",

der Schein das Sein?

Seit den frühen

zwanziger Jahren beunruhigt es den Sprachphilosophen der »Cahiers«,

etwa gleichzeitig (1922) bedrängt es den Dichter der »Fragments du

Narcisse«26 , indes läuft die Zwiefalt des philosophischen und des poetischen

Aspekts auf keinen Zwiespalt, vielmehr so zwingend auf beidemal

die gleiche narzißtische Situation hinaus, daß festzustellen ist: »Valery

geht in den >Cahiers< davon aus, daß im reflexiven Verb das Subjektpronomen

und das Komplementpronomen nicht dieselbe Person bezeichnen.

«" Freilich bezeichnen sie auch keine zwei Personen, eher läßt sich

sagen, das Komplementpronomen (als eines des Erleidenden) bezeichne

nicht mehr ein und dieselbe Person wie das Subjektpronomen (als

eines des Handelnden). »Das komplementäre >Mich< ist eine Variable

des >Ich<. In einem Satz wie >Je ME vois< ist >ME< das Bild eines Gesichts

oder Körpers.« Valery behauptet das Verhältnis zwischen handelndem

Ich und erleidendem Mich, nicht mehr ein und dieselbe Person zu sein,

für alle reflexiven Verben, z.B. für >Se surprendre soi-meme<, >soi-meme saisir<, >s' entremeler<, >s' entre-detruire<, >s'unir<, >penche-toi<. >beise-toi< : »Der reflexive Begriff SE [bzw. das jeweilige Reflexivpronomen im syntaktischen Kontext; J. S.]

ist das Signal einer Unabhängigkeit

zwischen zwei >Ich<, von denen das eine wie ein fremder Körper dem

anderen unterworfen ist.«

PEEPING TOM (1960)

"I made them watch their own deaths. I made them see their own terror as the spike went in." As if the modus operandi of the killer in Michael Powell's classic shocker wasn't grisly enough – he impales his victims on the sharpened point of his photographic tripod – he makes them watch their own deaths in a mirror. Mirrors figure in the sick rituals of some of cinema's best known psychokillers; see also The Tooth Fairy in Michael Mann's Manhunter, who places pieces of broken mirror in the eyes of his dead victims.
Wo aber sieht jemand

sich selber, wenn er nicht irgendeinen Teil seines Körpers sieht, eine

Hand oder einen Fuß, der ihm ebenso wie ein fremder Körper vor Augen

kommt , sondern sein eigenes Gesicht? Sich selber, in diesem Sinn, sieht

er ausschließlich in einem Spiegel. Alleinjener Blick, in welchem er sein

eigenes Auge als ein sehendes, und zwar ihn ansehendes, im Spiegel

sieht, läßt ihn sich selbst begegnen. [SEITE 29]

THE SHINING (1980)

When little Danny, helped by his imaginary friend Tony, writes "REDRUM" on the door in his mother's lipstick, he is not channelling Elizabeth Taylor in Butterfield 8, nor is he paying homage to the three-time Grand National winner. I'm not sure Wendy was in need of a mirror to help her realise this is backwards writing, but Stanley Kubrick hammers the point home with a couple of clunky zooms, one into a mirror, and a loud blast of discordant music - tricks usually derided when they're used in horror movies directed by less-adulated film-makers.


Was aber ist es, das mich ansieht? Ist das spekulare Auge mein eigenes, ist das

Spiegel-Ich mein Ich?

Ist denn da überhaupt etwas, oder scheint da nur etwas zu sein? Ist vielleicht um eine spätere Frage vorwegzunehmen",

der Schein das Sein?

Den Spiegelblick, in welchem ich mir selber begegne, beschreibt angemessen

ein Satz aus Personalpronomen und reflexivem Verb: Ich sehe

mich (scil. im Spiegel), d.i. gerrauer ein Satz aus Subjektpronomen (ich),

verbum transitivum (sehe) und komplementärem Objektpronomen

(mich). Das Verhältnis zwischen den beiden Pronomina, in der Bestimmung

als reflexiv zunächst doch undurchschaut belassen, ist überaus

problematisch; einem Valery wird es zweifach fraglich. Seit den frühen

zwanziger Jahren beunruhigt es den Sprachphilosophen der »Cahiers«,

etwa gleichzeitig (1922) bedrängt es den Dichter der »Fragments du

Narcisse«26 , indes läuft die Zwiefalt des philosophischen und des poetischen

Aspekts auf keinen Zwiespalt, vielmehr so zwingend auf beidemal

die gleiche narzißtische Situation hinaus, daß festzustellen ist: »Valery

geht in den >Cahiers< davon aus, daß im reflexiven Verb das Subjektpronomen

und das Komplementpronomen nicht dieselbe Person bezeichnen.

«" Freilich bezeichnen sie auch keine zwei Personen, eher läßt sich

sagen, das Komplementpronomen (als eines des Erleidenden) bezeichne

nicht mehr ein und dieselbe Person wie das Subjektpronomen (als

eines des Handelnden). »Das komplementäre >Mich< ist eine Variable

des >Ich<. In einem Satz wie >Je ME vois< ist >ME< das Bild eines Gesichts

oder Körpers.«28 Valery behauptet das Verhältnis zwischen handelndem

Ich und erleidendem Mich, nicht mehr ein und dieselbe Person zu sein[...] [SEITE 27]

ALL OF ME (1984)

Steve Martin (back in the days when he was funny) plays a lawyer who finds himself sharing his body with the soul of a deceased millionairess (Lily Tomlin), whose likeness he sees whenever he looks into a mirror (just as Scott Bakula would always see the "real" face of whichever body he was occupying that week in the TV show Quantum Leap). The result is a lot of funny bickering and some hilarious physical comedy from Martin as the two different personalities battle for control of the same body, though Tomlin matches him so expertly it's a shame we only get to see her reflection.

BIG BUSINESS (1988)

Bette Midler and Lily Tomlin, playing two sets of identical twins, perform a variation on the classic Marx brothers mirror routine in a hotel bathroom. The main difference being, of course, that Midler and her "reflection" are being played by the same actress, making it less a triumph of timing and choreography, and more a trick of special effects and stand-ins.
GEDANKENPAUSE
FREIER EIGENER TEXT
CANDYMAN (1992)

Bernard Rose's clever transposition of a Clive Barker short story from Liverpool to Chicago takes as its hook (pun intended) a variation on urban legends such as that of Bloody Mary, who supposedly can be summoned - usually to baleful effect – if someone recites her name a certain number of times while staring into a mirror. In Rose's film the apparition is that of the hooked-handed Candyman, who emerges through an interlinked bathroom mirror to bedevil and bewitch a graduate student (the very wonderful Virginia Madsen) who is researching her thesis on urban legends.
SPIEGELBLICK
Hand oder meinen Fuß, mir vor Augen zu kommen; in beiden Fällen

gebrauchen wir unbedacht dieselbe Wendung, scheint doch ihren

Gleichlaut auch ein Gleichsinn zu begleiten. Aber im zweiten Fall

weiß ich stricte nur möglicher, nicht notwendiger Weise, daß ich einen

Körperteil von mir sehe (man könnte mich ja getäuscht haben, und er

könnte in Wirklichkeit ein fremder sein33). Im ersten Fall weiß ich

notwendig, daß mein Blick mich selber wie einen anderen, weil nicht

mehr wie denselben, trifft. Im zweiten Fall ist jene Wendung, wenn

nicht trivial, vielleicht von psychologischem Interesse, im ersten allemal

von philosophischem: sie drückt dann ein Selbstverhältnis34

aus. Das sich-Sehen konstituiert zwar nicht Leiblichkeit, wie eine

solche leibliche Konstituierung dem Tastsinn zuzuschreiben ist, je

doch konstituiert das Auge, welches vor dem Spiegel in sich selber

JURASSIC PARK (1993)

"Objects in mirror are closer than they appear" Big game hunter Bob Peck glances in the wing-mirror of the Jeep Wrangler - and sees a gigantic Tyrannosaurus Rex reflected in it. It's the perfect fusion of frightening and funny, and a classic movie mirror moment.
DANCE OF THE VAMPIRES (AKA THE FEARLESS VAMPIRE KILLERS) (1967)

"There was no reflection of him in the mirror!" writes Jonathan Harker in Dracula by Bram Stoker. It's said that mirrors reflect the soul, which is the reason why vampires, who don't have souls, traditionally don't show up in them. Most movie versions of Dracula have a scene in which the Count casts no reflection. In the opening segment of the portmanteau movie The Vault of Horror, Daniel Massey discovers he's the sole diner visible in a restaurant mirror, but two of the best mirror moments are in this horror-comedy by Roman Polanski (who had already inserted an early example of the "mirror scare" into Repulsion). The first is in a scene between the vampire hunter's assistant (played by the director himself) and the Count's gay son; the second takes place at the climax of the eponymous dance.

wie in einem anderen ruht, ein der Leiblichkeit voraus und zugrunde
liegendes Ich. [SEITE 30-31]
DER BLICK ZURÜCK ALS GEGNSÄTZLICH
Der Blick in den Spiegel und der Blick aus dem Spiegel sind nicht

nur verschiedene Blicke, sie sind auch als Blicke verschieden, sind mithin

unterschiedene, gegenteilige (und nicht nur gegensätzliche) Blicke.

Ihr Unterschied ist aber besonderer Art: Der Blick in den Spiegel

enthält sich selbst und sein Gegenteil, den Blick aus dem Spiegel. (Das

Umgekehrte, daß auch dieser sich selbst und sein Gegenteil, den Blick in

den Spiegel, enthalte, ist bloßer Schein.) Wo nun etwas sich selber und

sein Gegenteil enthält, handelt es sich um einen Selbstunterschied.

Mit König ist zu sagen, »daß überall dort, wo ein Selbstunterschied im

Hintergrund liegt, Formulierungen auftreten, die mehr oder minder

lebhaft die Erinnerung an Hege I wecken«. 35 [SEITE 31]

Wendungen Königs, »ein in sich einiges Doppeltes« nennen, »nicht

zwar dasselbe, dennoch aber nicht zwei, sondern eines«.36

ENTER THE DRAGON (1973)

Shades of Lady from Shanghai in the final showdown of this Hong Kong/American martial arts classic, the last film Bruce Lee completed before his premature death at the age of 32. The villainous Han slips through a cunningly concealed revolving door into his own private hall of mirrors to escape the beating Lee has been giving him. The reflections confuse our hero – but only for a moment, before he hits upon the smart tactic of smashing all the mirrors so he can see what's real. Other movies climaxing with confrontations in mirrored rooms include The Man with the Golden Gun and the seriously bonkers Zardoz.
Den Blick in den Spiegel mag man, mit zwei spekulativen

Wendungen Königs, »ein in sich einiges Doppeltes« nennen, »nicht

zwar dasselbe, dennoch aber nicht zwei, sondern eines«.36 Solche

Formulierungen lassen auch an das von Valery behauptete Verhältnis

zwischen handelndem Ich und erleidendem Mich denken, nicht mehr

ein und dieselbe Person zu sein. Oder, in meinem Augenblick angemessenen

Worten: Mein von mir gesehener Augenblick ist nicht mehr

derselbe wie mein ihn sehender Augenblick, doch zwei Augenblicke

sind sie nicht. [SEITE 32]

Zwei Augenblicke, einen sehenden und einen in tempore erwidernden, so

daß >nicht mehr< doch zeitbezogen wäre, gibt es nicht. [SEITE 33]

Im allgemeinen werden derlei Hilfen, damit ich meinen Spiegelblick

als den eigenen identifiziere, nicht einmal benötigt, habe ich doch

längst gelernt, mein Spiegelbild (also auch das reflektierte Bild meines

Auges) unmittelbar aufmich selbst zu beziehen, wie ich ebenfalls

längst gelernt habe, meinen Leib als den eigenen zu ertasten. »Der

Mensch muß alt das erst erlernen, wofür er geschaffen ist«, schreibt

Valery.41 Das >erlernen< (»apprendre«) münzt er nicht aufs Trivium,

schon gar nicht auf Trivialien wie Alphabet und Notenschrift, Kompaß

oder Uhr, er meint vielmehr ein Lernen, das unser Selbstver bürgt.

TAXI DRIVER (1976)

"You talkin' to me? Well I'm the only one here." Travis Bickle uses the rear-view mirror of his cab a lot in the course of his work, of course, but also delivers the film's best-known monologue into a mirror in his apartment. Paul Schrader's screenplay originally just mentioned him practising his quick draw in front of the mirror; Robert de Niro ad-libbed the rest, thus inspiring a gazillion fanboy impressions and send-ups.
Keiner von uns, sobald er die Spiegelstadien der Kindheit durchmessen

hat, gerät noch in Gefahr, den Spiegeltod zu sterben. Narziß, in

eins Anfang und Ende der Reflexion, hat die mythische Spiegelschuld

für alle gebüßt.

Die Psychoanalytiker sind einer Übereinstimmung, was Narzißmus

bedeuten solle, weder willens noch (vermutlich) fähig. Sie bedienen

sich des Terminus, ein jeder ad libitum, benehmen sich wie Wortfetischisten,

doch wie namensvergessene; bereits Freuds Auffassung des

sogenannten primären Narzißmus »verliert [ ... ] den Bezug zu einem

Bild von sich selbst aus dem Auge, zu einer Spiegelbeziehung, die die

Etymologie des Ausdrucks >Narzißmus< voraussetzt«.47 Lacan wiederum

mag seinen Ovid gelesen, mithin den einzig legitimen, obzwar literarischen

Zugang zu dem Mythos erkundet haben, aber es scheint,

als habe er den Dichter nicht beim spiegelreflektierenden Wort genommen.

Was Psychoanalytiker, genügsam mit Libido und Trieb, ihm vorenthielten,

hat Ovid ihm, der danach wohl kaum suchte, beschert: ein Wort, nämlich das Wort >Begierde<. Lateinisch heißt es >cupido<; das ist, geschrieben gar mit großem C, als göttlich verhängtes Begehren, ob hetero-, ob homoerotisch, zu lesen, ehe es zur verspielten amour, wie göttlich, herunterkommt; das ist, eingeschrieben ins zugehörige

Verbum >cupere<, ein natürliches, unwillkürliches, auch ungeregeltes,

leidenschaftliches Verlangen48, ein süchtig sich Sehnen nach Sucht,

wahrhaft eine Begierde nach der Begierde" , soll sagen, nach Sucht

und Begierde des Anderen. Hegelliegt nahe, doch Ovid halte uns auf!

In zweien der Verse, in denen die Metamorphose des Narcissus erzählt

wird, hat Lacan das Verb vorfinden können: »Se cupit inprudens et,

qui probat, ipse probatur [ ... ] [* Arglos begehrt er sich selbst, erregt

und findet gefallen].«; »Ouod cupio, mecum est: inopem me copia fecit

RAGING BULL (1980)

"I coulda been a contender. I coulda been somebody. Instead of a bum, which is what I am." De Niro pulls off another mirror monologue in Martin Scorsese's masterful drama about Bronx middleweight boxing champ Jake La Motta. De Niro endangered his health by piling on 60lb to film the scenes of the older, chunkier La Motta, and this time his monologue is the opposite of ad-libbed – it's an intentionally stilted rendition of Marlon Brando's speech from On the Waterfront, delivered in front of a dressing-room mirror as the ex-boxer prepares to go on stage for a nightclub stand-up routine. See also: Mark Wahlberg at the end of Boogie Nights, pulling out his flaccid penis in front of the mirror as he practises dialogue for the porn movie he's about to perform in.

[*Was ich begehre, ist an mir! Es läßt die Fülle mich darben].«50 Im

ersten spricht der Dichter von Narziß: Sich begehrt er, einer der nicht

sieht, woran er mit Spiegeln ist; im zweiten spricht der Knabe von sich:

Was ich begehre, ist mein, unvermögend hat mich dieses Vermögen

gemacht. Denn inzwischen ist Narziß ein prudens geworden, ein Vers

zwischenhin läßt ihn, den nunmehr Einsichtigen, sagen: »Iste ego

sum! sensi, nec me mea fallit imago (Der da bin ich! ich hab's begriffen,

ein für alle Male, und mich trügt nicht länger mein Bild)«. 51 Hegel

liegt wieder fern, Narzißmus, wäre er selbst ein narzissischer, womöglich

noch ferner; ein narzißtischer liegt nirgendwo Lacan, nach dem

Wort >cupere< greifend, greift ins Leere; sein >desir< soll Ovid in Hegel

übersetzen, nur besetzt es weder das dichterische Wort des einen noch

das philosophische des andern.

ROMANCE (1999)

Catherine Breillat's provocative film split audiences down the middle with its chic young Parisienne's quest for erotic fulfilment, though it's possible she might have found it a lot earlier if she'd gone easy on the gloomy soliloquising. Needless to say, all the men I know who saw this found this slice of explicit arty erotica quite boring, though the women were rather taken with the scene in the corridor with the mirror. Enough said.
HARRY POTTER AND THE PHILOSOPHER'S STONE (2001)

After Redrum, cinema's most famous backwards writing is probably that of The Mirror of Erised, which Harry finds in an abandoned classroom at Hogwarts, which is inscribed with the legend "erised stra ehru oytube cafru oyt on wohs i" – "I show you not your face but your heart's desire". Thus Harry sees his mother and father, who were killed by Voldemort when he was a baby. But Dumbledore warns Harry of the mirror's addictive qualities and says, "It does not do to dwell on dreams."
Lire la Phenomenologie erscheint »auf der ersten Stufe seiner Entwicklung« in der Form der

Begierde54; diese, begehrend nur als begehrte, ist »für das Selbstbewußtsein

ein anderes Selbstbewußtsein«, d.h. ist ein Selbstbewußtsein

nur als außer sich gekommenes.55 Hegetisch geht keine Rede von

einem Begehren des Narziß , geht ebensowenig eine von einem »flüssigen

Medium«, welches, obwohl selbst das Ansich und, im »Unterschied

der Gestalten«, das Andere, nun auch spiegele, welches, obwohl Verkehrung

wie Verkehrtheit an sich selbst, nun auch spiegelverkehrt sei.

Aber Lacan und die Seinen meinen sich Genüge getan: »Schon das Bild

im Spiegel konstituiert das Ich als eine ihm äußerliche Gestalt und fixiert

es unter einer Symmetrie, die umkehrt.

[* So ist, und dies ist ein wesentlicher Punkt.

die erste Wirkung der Imago, die beim menschlichen Wesen erscheint,

eine Wirkung der Entfremdung des Subjekts. Es ist der andere, in dem

sich das Subjekt identifiziert und sogar allererst erfährt.]«" Niemand

würde dieser Sätze, zu luftiger für Steine des Anstoßes, achten, sollte

nicht Heget sie aufgeblasen haben.

BLACK SWAN (2010)

Natalie Portman gives an Oscar-winning performance in Darren Aronofsky's Gothic horror movie about a neurotic ballerina preparing for the dual role in a production of Swan Lake, and getting confused by reflections, understudies and her own evil id; there's even some writing in lipstick on a mirror! The climax, fittingly, involves a shard of broken mirror used as a weapon.
Die Bildung des Selbstbewußtseins vor Spiegeln begonnen zu finden,

in jenem stade du miroir genannten lebensstadium, mag psychologisch

begründbar sein. Einen philosophisch zureichenden Grund

indessen, daß die Bewegung des Selbstbewußtseins zur zweiten Stufe

fortgetrieben werde, bergen die Spiegel nicht, wir wähnten denn, den

hegelsch erforderten »Prozeß des Anerkennens«58, wie es die Selbstbewußtseine

einander zu zollen haben, damit sie, ein jedes für sich,

als Bewußtseine ihrer selbst zu sich kämen, zwischen einem Lebendigen

und dessen Abglanz vollzogen zu sehen.

SALT (2010)

The two-way mirror offering a one-sided view into the interrogation room or line-up of suspects is a staple ingredient of the cop movie (LA Confidential), the spy thriller (Salt), the comedy (Bean) and the horror movie (Saw, The Cabin in the Woods).
Stufe des anerkannten, da anerkennenden, des anerkennenden, da anerkannten Selbstbewußtseins würde unabweisbar, falls Heget eine Spiegeldialektik verfaßt hätte, das spiegelnd gespiegelte Doppelich sozial

zu interpretieren: ein Spiegelherr bloß formaliter

reflektiert bliebe ein Robinson, dem Freitag abhanden wäre.

Der Prozeß gegenseitiger Anerkenntnis mangelte eines der Gegner, und

zwar dessen, welchem »die Fortentwicklung des Selbstbewußtseins«

qua »die fruchtbaren Momente der Menschheitsentwicklung«6' obliegt:

des knechtischen Bewußtseins als der Wahrheit des selbständigen.

Was für eine Wahrheit, außer derjenigen des Scheins, möchte aber im

Spiegel anzutreffen sein, und solcher Schein, spräche er selbst aus

dem eigenen Spiegelauge, er ist, weil keiner Umkehrung fähig, unselbständig

auf immer. [SEITE 37]

THE SORCERER'S APPRENTICE (2010)

This Disney special effects extravaganza is a lot more fun that you might expect, its potentially formulaic plot pepped up by a nerdy but endearingly intelligent hero, a brace of duelling wizards (Nicolas Cage and Alfred Molina) and some inventive ideas, among them a Chinatown dragon that turns into the real thing, with its operators still trapped inside, and the "Hungarian Mirror Trap" which crops up in a public bathroom, and again in a car chase through the streets of New York.
AUGENBLICK ODER AUGENBLICK
>Augenblick< scheint die Bedeutung mit der Betonung zu ändern:

Augenblick oder Augenblick. Das Grimmsehe Wörterbuch teilt dazu

mit: »[ ... ] nhd. hat sich die sinnlichebedeutungselten erhalten und

man sagt dann statt augenblicke blicke der augen; doch heißt es noch:

das man wo I greifen mag, wie gar einen besandem augenblick gott auf

die selb kirchen habe.

Habac. 4,11. schön und oft verwendet unsere sprache blick vom licht und strahl des auges [ ... ] das auge blickt, blitzt und

leuchtet.«

Die Sprache selbst ist geschmeidiger, als Philologen es sind. Siebeläßt

>Augenblick< zuweilen in der Schwebe. Wir bleiben dann der sinnlichen

Bedeutung, daß unsere Augen blicken, wohl bewußt, obschon

wir die »abgezogne« des momentum zum Ausdruck bringen wollen,

und umgekehrt setzen wir »für den enteilenden punct der zeit« eben

jene Frist, so kurz ein Blick unserer Augen nur zu dauern vermag. Anstatt

ins Abstrakte zu verblassen, nimmt >Augenblick< noch eine zweite

Farbe an. Im spekularen Selbstverhältnis ergibt sich die Ambivalenz

des Wortes, ictus oculi65 und minimum momentum zu bedeuten, wie von

selber. Ich kann von meinem Spiegelbild sinnvoll sagen, es entstehe

in dem selben Augenblick, den ich und in dem ich mich dem Spiegel

zuwende, wie ich sinnvoll auch sagen kann, es vergehe in dem selben

Augenblick, den ich und in dem ich mich vom Spiegel abwende. Mein

Augenblick, welcher das Mich im Spiegel konstituiert, bedarf nur eines

Augenblicks qua -blitzes.

OCULUS (2013)

The mirror jump-scare is such a cliché in horror films nowadays that it even has its own supercut, which references everything from Phantasm to The Broken to Mirrors. So it takes a brave film-maker to make a haunted mirror movie that largely avoids it, opting instead for creepy backstory and build-up, as well as a full complement of body horror, flashbacks and disorientating mindgames. Karen Gillan sets out to prove her parents weren't responsible for a bloodbath that took place 11 years earlier - it was a sinister-looking antique mirror called The Lasser Glass what done it.
Nunmehr läßt sich genauer angeben, wie das Wissen, daß ich

mich im Spiegel sehe, in meinem Sehen enthalten sei.

Nunmehr läßt sich genauer angeben, wie das Wissen, daß ich

mich im Spiegel sehe, in meinem Sehen enthalten sei. Zweifellos ist

dieses Wissen ein Sehen-als, ich sehe mich als gespiegeltes Ich, und

insofern ist es ebenfalls ein Denken, worin das Sehen enthalten ist66,

indessen sind die Modi des Enthaltenseins nicht dieselben. Zweifellos

sehe ich jedes sichtbare Ding als ein bestimmtes 57, z.B. 0 als

Ziffer, doch kann ich mich in der Bestimmtheit irren, ich kann die

richtige vergessen haben und z.B. 0 fälschlich als Buchstaben sehen;

oder ich sehe, mit gleichsam unbelehrten Augen, den chinesischen Bronzespiegel als metallene Zierscheibe an. Im allgemeinen ist das Sehen-als ein möglicher Weise unrichtig-Denken, worin zwangsläufig
ein unrichtig-Sehen enthalten ist. Ausschließlich der Spiegelblick,

welcher als einer in den Spiegel diesen als solchen sieht, ist ein notwendiger

Weise richtig-Denken, worin zwangsläufig ein richtig-Sehen

enthalten ist. Ich sehe mein Spiegel-Ich und sehe es als solches, es

sei denn, mein Blick, mich trügend, scheine ein Spiegelblick anstatt

ein gespiegelter.

In dieser Hinsicht hat bereits

Aristoteles Sehen und Denken einander gleichgesetzt, König würde

ihm darin wohl folgen [...] [SEITE 39]

[...] Insofern sei das Sehen Gottes (eigentlich des Gottesbildes),

ist man versucht zu formulieren, dem Sehen des Spiegels (eigentlich

des Spiegelbildes) phänomenal analog.

Auch verweise die icona Dei darauf, schreibt Werner Beierwaltes, »daß

das absolute Sehen[ ... ] unendlich ist, indem es das Einzelne und Alles

zugleich sieht«, hingegen »das endliche[ ... ] Sehen aus der ihm eigenen

Perspektive her immer nur auf Bestimmtes fixiert«

[* die Gestalt, die er in jenem Spiegel sieht, sei ein

Bild seiner Gestalt. weil es bei einem glatten materiellen Spiegel so

ist]«, erwidert ihm Nicolaus, »licet contrarium illius sit verum [* freilich

sei das Gegenteil dessen wahr]«76; denn dem Betrachter stehe

nicht irgendein Spiegel gegenüber, sondern gleichsam ein »speculum

eternitatis viuum«. Anstatt nur das Abbild seiner selbst zu erblicken,

sehe er dahinter das Urbild, welches in ihm, dem gespiegelt spiegelnden,

sehend gesehenen Teilhaber an Gott, widerscheine: er sehe »in

imagine veritatem et exemplar [*in dem Bild die Wahrheit und das

Ideal]«." [SEITE 41]

icona mei qua* [Mehr erfahren]
Auch des Betrachters Blick wäre demzufolge, ob auch ein

Spiegelblick, nunmehr aus der Perspektive entgrenzt, wäre unendlich,

das Unendliche in sich zu fassen. Ihm erschiene ein je selbiges und

ein je anderes Bild in einem: betrachtet würde, von Gottes Bild wie

Gottes Blick belehrt, eine icona mei qua Dei. Ebenfalls die meinem

Sehen auferlegten Gesetze physiologischer Optik sind numinos außer

Kraft gedacht: in Seinem Auge, welches, ein »speculum viuum,

in se omnia videt [*lebendiger Spiegel alles in sich selbst sieht]«

DAS SEHEN DES SPIEGELS [2]
1. Wenn wir sagen, wir sähen etwas, z.B. einen roten Fleck, drücken wir

eine Wahrnehmung aus.' Was aber drücken wir aus, wenn wir sagen,

wir sähen etwas, z.B. 0, als Ziffer oder als Buchstaben? »Das >Sehen als

••• < gehört nicht zur Wahrnehmung. Und darum ist es wie ein Sehen

und wieder nicht wie ein Sehen«, befindet Wittgenstein. 2 Darauf, daß

das Sehen-als nicht zum Sehen gehöre, lautet sein Befund keineswegs,

es sei vielmehr »halb Seherlebnis, halb ein Denken«.3 Inwiefern es ein

Ganzes sei, fragt Wittgenstein nicht; wohl deshalb beläßt er das Verhältnis des Wahrnehmungs- zum Gedankenausdruck, des Sehens zum

Denken', umgangssprachlich im vagen.

Wilhelm Schapp befindet, »sinnliche Gegebenheit und Idee

ist in jeder Wahrnehmung untrennbar verbunden«.6 Anders gewendet,

lautet sein Befund darauf, daß wir, ohne das zu Sehende zu denken,

es nicht sähen.

Demnach hat das Denken am Sehen teil, und wenn

wir sagen, wir sähen etwas, drücken wir eine Wahrnehmung aus, von

welcher es ein Teil ist.

Sehen und Denken als Teile aufzufassen, die in einem Ganzen

enthalten seien, legt Mißverständnisse nahe. Nicht gemeint ist ein

Verhältnis nach Hegels »Encyclopädie«, daß »das eine Mal das eine,

das andere Mal das andere das Bestehende und ebenso jedesmal das

andere desselben das Unwesentliche« sei, oder, werde nicht das Ganze

»als selbständige Existenz genommen«, der jeweilige Teil »das Selb-

ständige«'; eher eines nach Goethes Farbenlehre, daß »Gelb immer ein Licht« und »Blau immer etwas Dunkles mit sich führe«8, daß also das etwas-Sehen, welches ein Sehen ist, stets ein Denken und, umgekehrt, das Sehen-als, welches ein Denken ist, stets ein Sehen bei sich habe.

Aber schon die Farben, von denen Goethe so schreibt, lassen ihr Licht

und ihr Dunkles nie anders denn in sich gewahren, als enthielten sie

es in sich.

»Dortselbst,

wo die Körperteilchen sich befinden, dortselbst befinden sich auch die

Raumteilchen; so daß, wenn wir sagen dürfen, der Körper sei >im< Raume,

wir auch umgekehrt sagen dürfen, der Raum sei in dem Körper.«

[* ein lebendiger Körper besteht aus Seele und Körper. Genauso

ist jeder natürliche Körper aus Materie und Form konstituiert]«. Dieser

sei das Ganze, das aus den seine Wesenheit (essentia) konstituierenden

Teilen bestehe, und zwar »ita constituentibus, ut se invicem penetrent

-[*so konstituiert, daß sie sich gegenseitig durchdringen].

Nur in Anbetracht dessen, daß die Teilchen von Körper und Raum

sich wechselseitig durchdringen sollen, erfüllt der Raum mitsamt den

darin enthaltenen Körpern die Definition eines essentiellen Ganzen

(wie das Gefäß mitsamt den darin enthaltenen Körpern die eines quantitativen).

In Anbetracht dessen hingegen, daß der Raum auch dort

wo kein Körper in ihm angetroffen wird, Raum ist indes jeder Körper,

beliebig welcher, würde er nicht in ihm anzutreffen sein, kein Körper wäre, erfüllt nur der Körper-Raum oder der Raum-Körper, d.h. der von
einem Körper penetrierte oder ihn penetrierende Raum, die Definition;

denn unter diese fallen allein Teile, die keine anderen als gegenseitig

sich durchdringende sind.

[* Inhärierendes ist,

was einem anderen Seienden innewohnt oder fähig ist innezuwohnen,

oder das einem anderen Seienden so in-existiert, daß es dieses selbst

durchdringt oder mit diesem selbst völlig gleichzeitig ist.] (?)

Wir sehen einen Spiegel dann und nur dann als Spiegel, wenn wir wissen,

daß wir Anderes in ihm sehen.

MODI DES SPIEGELBLICKS
Spiegel bedürfen der Blicke, um Spiegelbilder zu zeigen. Solange

nur, als wir etwas in ihnen erblicken, wird es in ihnen abgebildet, im

Augenblick der Abkehr ist das Bild schon vernichtet.

Einem Wie antwortet ein So; einem Wie des Wirklichen antwortet ein soundso-Wirkliches,

einem Wie des Wirkens ein so-Wirken. 21 »[ ... ] wenn z.B. ein Zimmer

leer-wirkt, nicht etwa leer zu sein scheint«, sei das »leer-Wirken [ ... ] die Weise, in der das Zimmer da ist«, führt König aus; »es ist die Weise oder das Wie seines Seins.«" Das so-Wirken ist demzufolge ein so-Sein, als solches ist es »der Träger der modifizierenden Prädikate [ ... ].

Jedoch gilt fiir den modifizierenden Modus

dasselbe, was König den modifizierenden Prädikaten zuspricht: »[ ... ]

daß sie ihren Trägern allererst zuwachsen, wenn der fiihlende Mensch

vor diese hintritt. [ ... ]

Dinge dieser Art sehen uns von sich aus an;

wir werden von ihnen angeweht; sie kommen uns mit ihrem eigenen

bestimmten Sein entgegen; und doch gilt alles dieses nur bezüglich,

d.h. nur wenn wir ihnen gleichsam entgegengehen.« Auch der modifizierende

Modus verlangt, eben um des so-Wirkens willen, daß ich mich

dem so-Wirkenden zuwende, um seiner gewahr zu werden.

Von einem liebevollen, einem ängstlichen, einem wehmütigen, einem herausfordernden Blick läßt sich als von einem je besonderen Blick sprechen, einzig der Spiegelblick, der mittelbare wie der unmittelbare,

ist ein ausnehmend besonderer Blick.30 Anders gesagt, unsere

Blicke, in verschiedener Absicht getan, sind verschiedene Blicke; der

Spiegelblick ist ebenfalls ein von ihnen verschiedener, jedoch zugleich

als Blick verschiedener, deshalb unterschiedener Blick. 31 So schaut die

böse Königin, ihr sich spiegelndes Auge gespiegelt, hoffärtig auf das

vis-a-vis, wenn sie nach der Schönsten im ganzen Lande fragt. Da der

Spiegelblick ein von irgend anderen Blicken verschiedener und außerdem

unterschiedener Blick ist, hat er den Unterschied zu ihnen als einen

Selbstunterschied in sich selber.

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